Bildung für nachhaltige Entwicklung & Umweltbildung

BNE-Handout (Auszug Protokoll BNE-Zukunftswerkstatt NPUS 6.5.2019)

Handout BNE-Input - Download

Ausgangslage:

Wir befinden uns in einer globalisierten, vernetzten, komplexen und unübersichtlichen Weltgesellschaft. Globale Herausforderungen, wie

  • Armut, Hunger und Menschenrechtsverletzungen

  • Verteilungsungerechtigkeiten

  • Undurchsichtige globalisierte Finanz- und Monopolwirtschaft

  • Verlust der biologischen Vielfalt

  • Entwaldung und Süßwasserverknappung

  • Degeneration von Böden und Gewässern

  • Klimawandel

  • Digitalisierung, Datenmissbrauch und künstliche Intelligenz

  • Soziale und politische Spaltungen

  • Hyperkonsum

…erfordern viele Antworten, um dem Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden. 

 

Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung: „Allen heutigen und zukünftigen Menschen wird ein Gutes Leben ermöglicht, ohne die Lebensgrundlagen zu gefährden.“

- Nachhaltigkeit kann nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann!

- Neues Wissen, neue Denkweisen und Methoden sind erforderlich, um die Herausforderungen unserer Zeit begegnen zu können und eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Das heißt auch: Bildung muss neu gedacht werden! --> Bildung für Transformation ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

- BNE befähigt zum sich Zurechtfinden und Behaupten in dieser globalisierten Welt, zum Entscheidungen treffen in einem zukunftsorientierten Sinn. BNE soll Menschen unterstützen, ihr Entwicklungspotenzial zu entfalten.

- „Oberstes Ziel von BNE ist es, die Kompetenzen [Fähigkeiten] zu fördern, die benötigt werden, um die komplexen Zusammenhänge zwischen der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension nachhaltiger Entwicklung nachzuvollziehen und an Lösungen für heutige und künftige Probleme mitzuarbeiten.“ (ANU e.V.)

- „[…] Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist mehr als Umweltbildung. Sie unterscheidet sich von der Umweltbildung ebenso wie von der entwicklungspolitischen Bildung durch einen breiteren und umfassenderen Ansatz, der ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte integriert. […]“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2002 )

- BNE-Schlüsselthemen sind Armut/Reichtum, Menschenrechte, Ressourcenmanagement, Gesundheit, Demokratie, Kulturelle Vielfalt, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Produktion/ Konsum, Klimaschutz, Biologische Vielfalt, Frieden usw.

- „Übersetzung“ der Ziele und Inhalte verschiedener BNE-Schlüsselthemen in 17 nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs)

- Am 25.9.2015 wurden auf dem „Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung“ in New York von der UN-Generalversammlung von 193 Nationen die Agenda 2030 beschlossen und 17 „Ziele für eine nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals (SDGs)) verabschiedet, welche bis zum Jahr 2030 umgesetzt sein sollen.  Ziel: Transformation hin zu einer gerechten und nachhaltigen Welt 

 

Welche Prinzipien sollte man bei der Vermittlung von BNE beachten?

  1. selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Lernen (kein Frontalunterricht)

  2. Projektangeboten müssen Bezug zur eigenen Umgebung haben (Wirklichkeitsnähe)

  3. Wissenserwerb durch Interaktion mit anderen bzw. in Gemeinschaft lernen

  4. Anschluss an Lebenswelt der Lernenden (zB. Handy, Jeans… siehe zB. KIM/JIM-Studien, BMU-Zukunftsstudie)

  5. Förderung von Partizipation, Dialogfähigkeit und Selbstreflexion - Alle Lernenden sollen mit einbezogen werden und selbstreflexiv im Dialog miteinander lernen.

  6. Mehrperspektivisches und interdisziplinäres Denken und Arbeiten – Das Lernthema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

  7. Methodenvielfalt (Inhalt bestimmt Methode! Methode strukturiert den Lernweg!) - unterschiedliche und der Zielgruppe angemessene Methoden anwenden

  8. Entwicklung von Alternativszenarien – „Es gibt nicht die Eine Lösung. Es sind immer mehrere Zukunftsszenarien denkbar.“

  9. Ziel nie aus dem Auge verlieren: Wissen erwerben und Fähigkeiten ausbauen.

 

- Das Ziel von BNE ist der Erwerb bzw. Ausbau von Fähigkeiten, die es einem ermöglichen, sich in offenen und unüberschaubaren, komplexen und dynamischen Situationen zurechtzufinden ( Selbstorganisations-fähigkeit, dh. selbstorganisiert denken und handeln zu können) 

 

- Welche Fähigkeiten sollen durch BNE gestärkt werden? Fähigkeit …

  •  …zum vorausschauendem Denken & Handeln (Ursache --> Wirkung) – Jede Handlung hat eine Wirkung.

  • …zum interdisziplinärem und mehrperspektivischen Arbeiten – Ich kann den Lerngegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. „Augen“ betrachten. (zB Biokraftstoffe Kleinbauer, Autofahrer, Umweltschützer…)

  • …zum gemeinsamen Planen, Entscheiden und Handeln (auch in heterogenen Gruppen!) – Fähigkeit zum guten und gemeinsamen Arbeiten

  • …adäquat mit unvollständigen oder überkomplexen Informationen umgehen zu können und mir ein ausreichendes/aussagekräftiges Bild vom Lerngegenstand zu machen.

  • …Zielkonflikte bei der Reflexion von Handlungsstrategien zu berücksichtigen – Jede Handlungsmöglichkeit birgt in sich neue Risiken. Ich habe diese im Blick.

  • …zur Empathie, Solidarität und zum Perspektivwechsel. – Ich kann mich in andere Menschen hineinfühlen und mich mit ihnen ggfs. solidarisieren. Ich kann die Sichtweisen anderer Menschen verstehen bzw. einnehmen.

  • …sich und andere motivieren zu können, zur Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz – Ich ertrage Widersprüche und halte diese aus. Ich ziehe mich bei Herausforderungen nicht in mein „Schneckenhaus“ zurück.

  • …Reflexion (bezogen auf eigene Lebenswelt und die anderer) – Ich schaue (kritisch) auf mich und mein Leben. Ich erkenne die Lebenswelten anderer Menschen.

  • …zum gerechten und moralischem Handeln. 

BNE-Kernelemente im Bildungsangebot

  • BNE-Richtschnur „Erkennen-Bewerten-Handeln“ nie aus dem Auge verlieren!

  • Immer darauf achten, die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Dimension mit einander zu verknüpfen und sich Themenschwerpunkte setzen.

  • Immer globale Zusammenhänge aufzeigen und regionale Bezüge herstellen.

  • Erarbeitung eines Konzeptes für sein Bildungsangebot als Roter Faden für sich und die Teilnehmenden.

  • Nie das Ziel aus dem Auge verlieren --> Stärkung der Gestaltungskompetenzen/Fähigkeiten der Teilnehmenden für das eigenständige Behaupten in der globalisierten Welt im nachhaltigen Sinne.

  • Nachhaltigkeit selber leben! (Öko-/Fairer Konsum, Fairer Umgang miteinander, energie- und ressourcenschonend leben, Solidarität leben…)

Schulkooperationen

Naturwacht und Naturparkverwaltung vereinbarten schon vor Jahren mit acht Schu­len in Boitzenburg, Lychen, Mildenberg, Templin und Zehdenick Kooperationen zum gegenseitigen Vorteil. Die Schüler lernen geschützte Pflan­zen und Tiere sowie deren Lebensräume in Wohnortnähe kennen, erleben spannende Projekttage und erhal­ten fachkundige Hilfe bei der ökologischen Gestaltung der Schulhöfe. Andererseits erfassen sie wichtige Umweltdaten, z.B. die Sichttiefe von Seen, die Bestände von seltenen Pflanzen und Tieren oder pflegen wertvolle Biotope wie Feuchtwiesen und Moore. So unterstützen sie die Naturwacht und die Naturparkverwaltung. Nicht zuletzt sind unter fachlicher Anleitung der Naturwacht die „Eisvögel‟ und die „Havelspatzen‟, zwei Gruppen von Juniorrangern, aktiv.