Seltene Schönheit: Orchideenblüte im Naturpark Uckermärkische Seen

„Dank regelmäßiger Pflege mittels Vertragsnaturschutz und günstiger Witterungsbedingungen sind die Zahlen 2021 wieder vielversprechend für das Fortbestehen der Wiesenpracht“, so der Ranger Hartmut Neumann, während er eine Teilzahl in sein Notizbuch schreibt und zurück in die Reihe seiner Kolleg*innen tritt. Nebeneinander und im gleichen Schritt läuft das Team der Naturwacht Uckermärkische Seen systematisch eine Feuchtwiese bei Fürstenberg/Havel ab. In der Hand einen Zähler, der vom Daumen bedient wird, fokussiert das vierköpfige Team mit den Augen die üppigen, lila gefärbten Blüten des hiesigen Breitblättrigen Knabenkrauts. Kein besonders schwieriges Unterfangen, denn die Pflanzen heben sich gut vom satten Grün der Wiese ab.

Im Naturpark Uckermärkische Seen hat sich der Orchideenbestand auf den langjährigen Pflegeflächen teilweise vervielfacht. Rangerin Katrin Lange zählt deren Blütenstände seit 21 Jahren. Größere Schwankungen im Ergebnis bedingt vor allem die Wetterlage. „In guten Jahren kommen wir auf mehrere Zehntausend Exemplare auf allen Flächen.“ Zur Freude der Naturwacht auch in diesem Jahr. „Bleiben Winter- und Frühjahrsniederschläge allerdings aus, sind es mitunter aber auch nur 500 Orchideen.“, ergänzt Katrin Lange.

Auch die Schüler*innen der sechsten Klasse der Naturparkschule Mildenberg helfen seit vielen Jahren bei der Erfassung der Orchideen mit. Etwa 2.000 Exemplare des Helmknabenkrauts und rund 800 Exemplare des Großen Zweiblatts wurden in den Tonstichen in der Nähe des Ziegeleiparks von ihnen gezählt und bestaunt. Ein tolles Ergebnis für die insgesamt 23 engagierten Schüler*innen, die auch diesjährig von ihrer Klassenlehrerin und weiteren ehrenamtlichen Helferinnen vor Ort unterstützt wurden.

Trotz ihrer auffälligen Erscheinung bekommen nur wenige Menschen die einst weit verbreiteten heimischen Orchideen zu Gesicht. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Trockenlegung vieler Standorte gibt es nur noch wenige Flächen, auf denen die farbenprächtigen Knabenkräuter gedeihen. Es kommt immer wieder vor, dass vermeintliche Pflanzenliebhaber die Orchideen ausgraben, um sie zuhause zu kultivieren. „Das ist besonders ärgerlich, weil die Pflanzen im Garten in aller Regel eingehen“, erklärt Katrin Lange. Erstens stimmen die Standortbedingungen dort nicht und zweitens leben die Orchideen mit bestimmten Pilzen in einer Symbiose, die in normalen Gartenböden gewöhnlich nicht anzutreffen sind. Dabei siedeln sich die Pilze auf der Wurzel an. Durch das Umpflanzen werden die beiden voneinander getrennt. Die Orchidee geht ein, weil ihr Nährsalze und Wasser fehlen, die der Pilz zur langjährigen Partnerschaft beisteuert.

Aber auch der Erhalt der Orchideen in ihrem natürlichen Umfeld ist durchaus aufwändig. „Viele Menschen glauben, man sollte die Natur sich selbst überlassen, um sie bestmöglich zu schützen. “Bei Orchideen wäre dies jedoch fatal“, stellt Rangerin Katrin Lange fest. Die Knabenkräuter, aber auch andere seltene Pflanzenarten wie Prachtnelke, Kümmel-Silge, Teufelsabbiss oder Kuckucks-Lichtnelke sind auf eine Beweidung oder regelmäßige Mahd angewiesen, weil sie andernfalls schlichtweg von konkurrenzstarken Arten wie Schilf überwuchert und verdrängt würden.

„Früher haben Ziegen und Schafe aus den Dörfern die Flächen kurzgehalten. Oder der Kaninchenzüchter, der regelmäßig mit der Sense Futter für seine Tiere holte“, berichtet Ranger Fredy Bock. So konnten die Orchideen vielerorts Fuß fassen. Seit dem Ende dieser kleinteiligen Nutzung muss die regelmäßige Mahd für den Erhalt solcher Arten anders organisiert werden. Hier sind Landwirte wichtige Partner der Naturwacht. Mit ihnen wird abgestimmt, wann das Schneidwerk auf der Fläche zum Einsatz kommt. Auf schwer zugänglichen oder sehr kleinen Standorten legen Naturwacht, Forst und die Ortsgruppe Templin des Naturschutzbundes (NABU) u.a. auch mit Hilfe der Schüler der Naturparkschulen regelmäßig selbst Hand an. Eine schweißtreibende Arbeit für die Helfer*innen, wenn sie mit Freischneider und Sense dem hohen Bewuchs zu Leibe rücken und anschließend das Mähgut von der Fläche bringen.

Im Frühjahr haben die insgesamt fünf Rangerinnen in dem 897 Quadratkilometer großen Schutzgebiet daher alle Hände voll zu tun. Insgesamt erfassen sie 12 Orchideenarten (u. a Breitblättriges Knabenkraut, Großes Zweiblatt und Helm-Knabenkraut) auf unterschiedlichen Feuchtwiesenstandorten. Neben Orchideen werden auch die Bestände der Rohrdommel, des Kranichs und des Fischotters im Naturpark erfasst. Außerdem begeistern die Naturwächter*innen zahlreiche Schulklassen und Besucher für Natur und Umwelt.

Hintergrund:

Die Ranger*innen der Naturwacht Brandenburg arbeiten seit 30 Jahren in 15 Großschutzgebieten erfolgreich als Mittler zwischen Mensch und Natur. Auf rund 9.000 Quadratkilometern – einem Drittel der Landesfläche – erfassen sie Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern. Zudem setzen sie zahlreiche Naturschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg.

Die aktuell 87 Ranger in Brandenburg sind wichtige Ansprechpartner für Anwohner und Touristen in den Nationalen Naturlandschaften – einem Nationalpark, drei Biosphärenreservaten und elf Naturparken. Sie begleiten jährlich rund 10.000 Gäste auf 550 geführten Touren und stärken damit den Naturtourismus.

Im Rahmen ihrer Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen, den Junior Rangern, weckt die Naturwacht Interesse für Natur- und Umweltschutz bei der jungen Generation. Auch am Ganztagsschulangebot des Landes beteiligt sie sich. Mehr als 330 Freiwillige unterstützen Brandenburgs Ranger bei ihren Aufgaben. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Mehr Informationen unter: www.naturwacht.de

 

 

Gebiet

  • Naturpark Uckermärkische Seen

Meldung vom 10.06.2021