Auf Entdeckungstour mit der Naturwacht

So hieß es z.B. am 03. August in Boitzenburg: Augen zu und Mund auf, denn statt das Thema des Naturwacht-Nachmittags zu erraten, erschmeckten es die Ferienkinder. „Erst bitter und dann süß“, beschrieb ein Junge die Honigkostprobe. Sommerzeit ist Insektenzeit – es schwirrt, zirpt, brummt oder summt bei Spaziergängen in der Natur – so die Theorie. Doch in der Praxis, wissen wir seit 2017 dank Krefelder Studie, sieht es anders aus: In 27 Jahren hat die Gesamtmasse der Fluginsekten um mehr als 75 Prozent abgenommen. Welche Folgen hat das Insektensterben für uns? Wie war das nochmal mit der Bestäubung von Pflanzen durch z.B. Wildbienen? Denn auch die Hälfte der mehr als 550 in Deutschland lebenden Wildbienenarten ist bereits gefährdet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Steigender Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Strukturarmut in der Landschaft und vermehrte Flächenversiegelung. Beim Auspacken eines Einkaufsbeutels erarbeiteten sich die Ferienkinder, dass die Regale im Supermarkt sehr leer blieben und sie selbst auf vielerlei Obst, Gemüse oder auch Ketchup, Gummibärchen und einige Kosmetikprodukte verzichten müssten, gäbe es keine Insekten, vor allem Bienen mehr. Wo ist die Artenvielfalt größer und die Anzahl der Individuen höher: auf dem Schulhof-Rasenstück oder der Wildblumenwiese neben dem Neubau? Mit der Becherlupe ging es auf Entdeckungstour. Es wurde diskutiert, gestaunt und Hand angelegt, denn mittels der Herstellung von Samenmurmeln aus einer Wildblumenmischung soll nicht nur der Boitzenburger Schulhof künftig bunter und vielfältiger erblühen. In den Herbstferien kommt die Naturwacht erneut. Denn die Schüler:innen erhielten zum Schulstart ein großes Insektenhotel, das zu Gunsten künftiger tierischer Bewohner mit Naturmaterialien nun Schritt für Schritt „hübsch eingerichtet“ werden soll.

Auch die Zauberlehrling-Hortkinder aus Templin nutzten am 27. und 29. Juli ihre Sinne, um das heimische Tierreich zu entschlüsseln: Mittels tierischer Hinweise ging es auf Schatzsuche. Behausungen mussten gefunden und die durch Maus, Mistkäfer, Specht, Biber oder Eichhörnchen gestellten Rätsel gelöst werden, um stibitzte Schatzkartenstücke wiederzuerlangen. Naturkundliche Fakten lernten sich so spielerisch „nebenbei“. Für den Schatz der biologischen Vielfalt, der heimischen Flora und Fauna, zu sensibilisieren, ist der Naturwacht im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) ein wichtiges Anliegen. Denn der gegenwärtige und künftige Klimawandel stellt eine der größten Bedrohungen für die Vielfalt des Lebens dar. Bereits heute sind teilweise „allgemein bekannte“ Tier- und Pflanzenarten gefährdet oder werden mancherorts z.B. durch neue Konkurrenten verdrängt, wie beim roten Eichhörnchen. „Umso wichtiger ist das Naturerlebnis, denn nur was wir als Menschen kennenlernen und schätzen, sind wir auch bereit zu schützen.“, so die Überzeugung der Ranger:innen. Das gilt besonders für Lebewesen, die uns nur selten begegnen, z.B. weil sie nachtaktiv sind. Darum stand ein weiterer Naturwachtbesuch im Zeichen der Fledermäuse, der Schwerpunkttierart der Naturwacht Brandenburg 2021. Interaktiv z.B. durch Rollenspiele entdeckten die Hortkinder die Lebensweise: Fressverhalten und Jagd, Orientierung und Schlafquartiere. Mit ihrer am Ende selbstgebastelten Handpuppe flogen die Kinder als kleine Fledermaus-Botschafter:innen nach Hause. Und wer weiß, vielleicht sind sie mit Familie bei der langen Naturwacht-Nacht an den kommenden August-Wochenenden (13., 14. und 20., 21.08.2021) auch wieder dabei, um die Jäger der Finsternis in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Ziel derartiger Aktionen ist es, im direkten Einsatz Neugierde für Zusammenhänge der biologischen Vielfalt zu wecken, Teilnehmende frühzeitig für praktischen Naturschutz zu sensibilisieren und dank positiver Erlebnisse sie darin zu bestärken, einen sinnvollen Beitrag zum Naturschutz zu leisten.

Hintergrund

Die Ranger der Naturwacht Branden¬burg arbeiten seit 1991 in 15 Großschutzgebieten erfolgreich als Mittler zwischen Mensch und Natur. Auf rund 9.000 Quadratkilometern – einem Drittel der Landesfläche – erfassen sie Daten zu Tier- und Pflan¬zenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern. Zudem setzen sie zahlreiche Natur¬schutzmaßnahmen um und kontrollie¬ren deren Erfolg. Die aktuell 93 Ranger in Brandenburg sind wichtige Ansprechpartner für An¬wohner und Touristen in den Nationalen Naturlandschaften – einem National¬park, drei Biosphärenreservaten und elf Naturparken. Sie begleiten jährlich rund 10.000 Gäste auf 550 geführten Touren und stärken damit den Naturtourismus. Im Rahmen ihrer Arbeit mit Kinder-und Jugendgruppen, den Junior Rangern, weckt die Naturwacht Interesse für Natur-und Umweltschutz bei der jungen Generation. Auch am Ganztagsschulan¬gebot des Landes beteiligt sie sich. Mehr als 280 Freiwillige unterstützen Branden¬burgs Ranger bei ihren Aufgaben. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Mehr Informationen unter: www.naturwacht.de

 

Gebiet

  • Naturpark Uckermärkische Seen

Meldung vom 13.08.2021