Natur & Landschaft

Wasser, Wälder und Hügel: Der Naturpark Uckermärkische Seen

Ein Fischadler zieht lautlos seine Kreise. Plötzlich hält er inne, steht rüttelnd über der Was­serfläche. Dann stürzt er sich mit großer Geschwindigkeit in die Tiefe, die scharfen Krallen weit vorgestreckt. Kurz vor der Wasseroberfläche fächert er die Flügel zum Abbremsen breit auf. Blitzschnell ergreift er seine Beute und schwingt sich mit kräftigen Flügelschlägen wieder in die Luft – mit einem ordentlichen Happen Fisch in den Fängen. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa leben die Fischadler so dicht nebeneinander wie hier. Die 230 Seen liefern ihnen genug Leckerbissen. Der Stolpsee bei Fürstenberg/Havel ist mit 371 Hektar der größ­te von ihnen, der tiefste ist der Röddelinsee bei Templin mit 39 Metern. In mehr als 50 der Seen im Naturpark kann man im Sommer über 2,5 Meter tief sehen. Man bezeichnet sie deshalb als Klarwasserseen. Das lebhafte Relief der Ucker­märkischen Seenlandschaft hat die Weichseleiszeit vor 15.000 Jahren hinterlassen. Der Westen und Süden des Naturparks wird von großen Kiefernforsten auf Sanderflächen dominiert. Im Norden und Osten wachsen Buchenwälder auf Endmorä­nenzügen; die davor liegenden Grundmoränen werden land­wirtschaftlich genutzt. Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein Mosaik aus Wäldern und Wiesen, aus trockenen Heiden und feuchten Mooren.

Reich an Natur

In der Uckermark ist ein Natur­reichtum erhalten geblieben, der in Mitteleuropa seinesgleichen sucht. Der Naturpark Uckermär­kische Seen beherbergt über 1.200 teils sehr gefährdete Pflanzenarten. In den Mooren wachsen Breitblättriges und Zierliches Wollgras, Glanzkraut, Sumpfporst und der Fleisch fres­sende Sonnentau. Von den 15 im Naturpark nachgewiesenen Orchideenarten hat das seltene Gelbe Knabenkraut hier seinen einzigen Fundort in Branden­burg. Die naturnahen Fließge­wässer wie Hegensteinbach, Küstriner Bach und Strom sind ein Domizil für Bachneunauge und Bachforelle. Weißstorch, Kranich, Seeadler, Fischotter und Biber sind im Naturpark ebenso zu Hause wie Große Rohrdommel, Edel­krebs und Sumpfschildkröte. Moorfrosch und Rotbauchunke, Ringel- und Glattnatter gehören zu den bemerkenswerten Arten. In der offenen, durch Hecken, Feldgehölze und Alleen reich strukturierten Landschaft leben Brachpieper, Braunkehlchen und Raubwürger.  

Extra trocken

Die trockenen und scheinbar lebensfeindlichen Heiden, Sand­trockenrasen und Binnendünen befinden sich dort, wo der Wald früher durch eine Übernutzung mit Weidevieh, Holzraubbau und Brandrodung zerstört wurde. Heute sind diese seltenen Lebensräume nur noch auf ehemaligen Truppenübungsplätzen wie im Naturschutzgebiet „Kleine Schorfheide‟ anzutreffen. Hier lebt eine Vielzahl besonders angepasster Arten wie Wiedehopf, Heidelerche, Rotflüglige Ödlandschrecke, Thymian-Widderchen und Sandnelke. Auch für die Neubildung von Grundwasser sind diese Gebiete von großer Bedeutung. Durch die Beweidung mit Schafen und Ziegen wird die Heidelandschaft erhalten. Die hohe Munitionsbelastung schränkt die touristische Nutzung ein.